Der evangelische Pfarrer Jürgen Fliege ist als Fernsehpfarrer einer der bekannten Gesichter, die während der Corona-Jahre kritisch nachfragten. Im Gespräch mit Johannes Clasen schildert er seine Erfahrungen: zwischen persönlicher Erkrankung, einer inszenierten Angstkampagne, seiner Enttäuschung über die Kirchen und seiner tiefen Überzeugung, dass Vertrauen in das Leben und in die eigenen Kräfte durch Krisen trägt.
Trost durch Wahrnehmen von Leid
Jürgen Fliege weiß: Viele Menschen, die unter den Folgen der Corona-Impfungen leiden, fühlen sich alleingelassen. Daher ist für ihn das Wahrnehmen dieses Leids entscheidend. In seiner Sprache ist es „ein Riesentrost, wenn sie anerkannt werden, dass jemand neben sie gestellt wird, oder sich stellt, und dadurch dafür sorgt, dass sie nicht mehr verrückt gemacht werden können. Sondern wie ein zweiter Baum stellt sich einer daneben und sagt: Ich fühle ganz genau, wie es dir geht.“
So sieht er seine Aufgabe darin, den geschädigten Menschen durch Hinschauen und Mitfühlen beizustehen:
„Ich kann dein Leben nicht unbedingt direkt ändern, wenn du betroffen bist, aber ich kann mich einen Augenblick meines Lebens neben dich stellen, dir zuhören und erleben, wie du dich langsam aufrichtest, weil ein Teil deines Verstecktseinmüssens jetzt weggeht. … Ich schau dich an mit allem was du bist und was du ertragen hast, und in diesem Augenblick geht eine Energie durch diesen gekränkten, kranken, kaputtgemachten Menschen.“
So könne Betroffenen ein Moment der Hoffnung geschenkt werden.
Angstkampagne und Vertrauen ins Leben
Von Beginn an habe er gespürt, dass bei Corona „etwas nicht stimmt“ und mit Angst gearbeitet wurde. Doch er habe sich nicht verrückt machen lassen von einer „weltweit inszenierten Angstkampagne.“ Bewusst habe er sich gegen die Impfung entschieden. Gegen die Angstkampagne sei er gefeit gewesen – gegen die Krankheit nicht. So erkrankte er selbst schwer an Corona und war zwei Wochen lang ans Bett gefesselt. Bis heute leidet er an Empfindungsstörungen der Füße. In der Krankheit habe ihn sein tiefes Vertrauen getragen – sein Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Körpers, in das Immunsystem, in das Leben und in Gott. „Ich werde nicht von der Pharma gerettet, ich werde gerettet durch die Millionen Jahre, die in meinen Zellen stecken“, sagt er. Dieses Vertrauen hat Jürgen Fliege bis heute nicht verlassen, ist seine Lebenshaltung geblieben. Sein Blick auf das Leben bleibt geprägt vom Glauben daran, dass Stärke und Heilung aus den Widerstandskräften des Körpers und aus spirituellem Vertrauen wachsen. Angst schwächt – Vertrauen stärkt, so seine Überzeugung.
Neue Medien als Quellen der Orientierung
Die Coronazeit führte Jürgen Fliege in eine neue Welt: die der alternativen Medien. Dort suchte er nach neuen Informationen, prüfte Narrative und hinterfragte Interessen. „Ich brauchte Quellen“, sagt er. Denn die Suche nach Quellen sei das Wesen der Theologen. So fand er in den alternativen Medien Stimmen, die ihm halfen, die Mechanismen der Angstkampagnen zu durchschauen und eine Gegenposition zur offiziellen Darstellung zu gewinnen.
Die Enttäuschung über die Kirchen
Besonders bitter ist für Pfarrer Jürgen Fliege die Enttäuschung über die Kirchen, die in der Coronakrise aus seiner Sicht massiv versagt hatten. Anstatt Trost zu spenden, Orientierung zu geben, Vertrauen und Glauben vorzuleben, hätten sie sich vor allem durch Angst und kritiklose Anpassung an staatliche Vorgaben ausgezeichnet. Daher habe er schon früh Kirchenvertreter gewarnt: „Achtung, hier gibt es Verführung im Land!“ Diese käme von Pfizer und die Kirchen seien aufgerufen, diese Verführung zu erkennen. Immer wieder habe er an Pfarrer appelliert, ihr Wächteramt über die Seelen der Menschen wahrzunehmen. Er habe Kontakt zu Kirchenoberen gesucht, an Bischöfe geschrieben, runde Tische, an denen auch nicht gehörte Stimmen Platz haben sollten, gefordert. Doch die Antworten blieben aus oder waren ausweichend: „Man sei sich des Problems bewusst.“
„Kein Vertrauen in Gott, kein Vertrauen ins Immunsystem“ – so beschreibt er die Haltung vieler Kirchenleitungen. Hart kritisiert Fliege, dass die Kirchen bis heute nicht hinschauen und nicht aufarbeiten wollen. „Sie werden es nicht tun. Vorbei. Vergiss es. Keine Chance. … Das ist die Realität der gutmeinenden Kirchenleute.“ Lediglich einzelne Pfarrer hätten Räume für Diskussion geschaffen. Insgesamt jedoch habe die Kirche, so Fliege, als Institution auf der Seite der Angst gestanden: „Das ist nicht die Insel der Seligen“, so sein bitteres Resümee.
Gesellschaftliche Spaltung und Wege der Heilung
Die Gesellschaft sei durch die Pandemie und ihre Folgen tief gespalten, sagt Fliege. Er selbst musste erleben, wie sich innerhalb seines Umfeldes Vertrauen und Misstrauen, Anpassung und Widerstand gegenüberstanden. Er spricht von einer Spaltung, die weit über Corona hinausgeht – auch andere Themen wie der Krieg in der Ukraine verstärken diese Brüche.
Doch er sieht Wege zur Heilung: Zeit und Rückzug. „Die Zeit spielt auf beiden Seiten“, sagt er. Während manche hoffen, dass Gras über die Dinge wächst, sieht er die Zeit auch „auf unserer Seite. Wir brauchen nur mehr Zeit. … Es braucht andere Bedingungen, damit wir gehört werden. Solange es noch Menschen gibt, die Angst haben, ihr Leben oder ihre Reputation oder ihr Gehalt zu verlieren“, sei Aufarbeitung schwierig. Mit der Zeit bestehe jedoch die Chance, dass Wahrheit sichtbar wird. Zudem tragen für ihn der Rückzug in die Natur, das Innehalten und die Rückbesinnung auf einen „Rückzugsort in uns“ wesentlich zur Heilung bei. In der Natur, sagt Fliege, lerne der Mensch wieder, Gott zu begegnen, Vertrauen zu schöpfen, Selbstvertrauen und den Umgang mit Fehlern zu lernen. „Natur heißt: Ich glaube an meine eigenen Widerstandskräfte, die ich trainiert habe. … Der Dreck, den wir ertragen, macht unsere Widerstandskraft erst groß“, so seine Überzeugung.
Fazit
Für Jürgen Fliege ist die Erfahrung der Corona-Jahre eine Frage von Vertrauen versus Angst. Während Angst spaltet und lähmt, eröffnet Vertrauen die Möglichkeit von Heilung, Trost und neuer Stärke. So sieht er sich auf der Seite derer, die sich der Angstkampagne verweigert haben, und schöpft Kraft aus der Überzeugung, dass Heilung von innen kommt – durch das Immunsystem, durch den Glauben, durch die Nähe zur Natur, durch Vertrauen.
So formuliert er am Ende des Gesprächs: „Mich kriegen die nicht mehr auf die andere Seite.“ Ein Satz, der seine Haltung und seine Botschaft zusammenfasst – Vertrauen ins Leben statt Angst, klare Worte statt Schweigen und die Hoffnung, dass individuelle und gesellschaftliche Heilung möglich wird.